Überraschungskirche

Vielleicht sind Sie auch über diesen Begriff im „DBZ aktuell“ gestolpert. Und das hat es damit auf sich:

Seit vielen Jahren macht sich in Kirchengemeinden ein Unbehagen breit über die sogenannten Familiengottesdienste, bei denen der Kindergarten beteiligt ist. Oft sind das Kindergottesdienste unter Anwesenheit Erwachsener, die eine Zuschauerhaltung einnehmen, während die Kinder Einstudiertes darbieten. Das hat dann eher Ähnlichkeit mit einer Vorstellung als mit einem Gottesdienst. Gleichzeitig beobachtet man in ganz Deutschland, dass der Besuch von Familiengottesdiensten zurückgeht.

Überraschungskirche

Immer mehr Kirchengemeinden in Deutschland überlegen sich deshalb Alternativen und nehmen Ideen auf einer Bewegung, die in der Kirche von England entstanden ist und dort „messy church“ heißt, was wohl am besten mit „kreativer Kirche“ übersetzt wird, in Deutschland aber seit wenigen Monaten unter „Überraschungskirche“ oder kurz „Ü-Kirche“ bekannt ist.

Die beiden DBZ-Zukunftswerkstätten „Kinder“ und „Gottesdienste“ haben sich mit dem Modell beschäftigt. Ergebnis: Nicht alle Elemente dieser Alternative zu herkömmlichen Familiengottesdiensten passen zu uns, aber folgende wollen wir übernehmen:

Die Überraschungskirche

  • sieht Kinder und Erwachsene als eine Gemeinde, gleichzeitig erhebt sie nicht den Anspruch, dass immer alle Altersgruppen gleichzeitig angesprochen werden; deshalb kennt sie Zeiten, in denen Kinder und Erwachsene sich mit Verschiedenem beschäftigen (Binnendifferenzierung).
  • beinhaltet Zeiten, in denen über eine Frage diskutiert oder etwas gemeinsam erarbeitet, eventuell sogar gestaltet wird. Die Gottesdienstbesucher sollen selbst aktiv werden können.
  • kennt wie die Thomasmesse (und unser Gottesdienst SEGENsREICH) Zeiten, in denen gleichzeitig verschiedene Angebote gemacht werden.
  • kommt ohne Gesangbücher oder Liedzettel aus, es wird mit „erhobenem Haupt“ gesungen.
  • wird im Team vorbereitet; idealerweise sind nicht nur Kindergarten-Team und Pfarrperson beteiligt, sondern weitere Gruppen der Gemeinde wie Kindergottesdienst-Team, Jugend oder Senioren.
  • will einen konkreten Bezug herstellen zum Alltag der Gottesdienstbesucher.
  • will auch Mitteilungen und Informationen aus dem Gemeindeleben in den Gottesdienst einbeziehen
  • ist immer thematisch orientiert.
  • ist experimentierfreudig und fehlerfreundlich. Wenn was nicht so klappt wie geplant, macht’s nichts.
Überraschungskirche

Die Erwachsenen

  • werden aus ihrer Zuschauerrolle herausgeholt.
  • werden ermutigt, im Gottesdienst aufeinander zuzugehen; wer das nicht möchte, soll auch in der Stille und bei sich verweilen können.

Die Kinder

  • führen nichts vor, sind aber Teil des gottesdienstlichen Geschehens.
  • lernen im Kindergarten schon alle Lieder des Gottesdienstes und werden in das Thema gut eingeführt. Die Zeit, die früher im Kindergarten verwandt wurde, um etwas einzustudieren, wird jetzt auf die inhaltliche Arbeit verwandt.
  • sollen eine Ahnung davon bekommen, was Gottesdienst und Gemeindeleben ist und sich als Teil der Gemeinde sehen lernen
  • sollen gottesdienstliche Elemente wie Gebet, Vater unser, Singen, das Hören von und das Sprechen über biblische Geschichten auch von ihrem Alltag im Kindergarten her kennen. Zwischen Kindergartenalltag und Gottesdienst soll es einen fließenden Übergang geben.